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Logbuch der Anthana  


02.06.2008 
Lat 50° 47,539' N      Lon 001° 06,931' W
Freud und Leid beim Gezeitensegeln im englischen Kanal kurz vor Springzeit
Gestern kam noch Kaddy zur Unterstützung für die nächsten Tage. Die Wetterfrösche versprechen NE 3-4 über N auf NW drehend, später teilweise 5. NE ist schlecht, da wir überwiegend nach NE laufen wollen. N bzw. NW drehend wäre klasse... warten wir es ab.

Da wir uns der Springzeit nähern, ist es umso wichtiger, mit dem Gezeitenstrom auszulaufen. So starten wir um 0524 mit dem Ost setzenden Strom. Dies hilft immens beim Höhelaufen nördlich von Cherbourg - s.a. Bild. Der Strom verstzt uns zweitweise über 30 Grad Richtung Ost - einfach gut für uns!

Nach 40 sm bzw. 6 Stunden hat dies leider ein Ende - der Strom kentert und setzt nur nach Westen - wie zu erwarten und unsere Kursvorauslinie zeigt schon auf das westliche Ende der Isle of Wight - dabei wäre Brighton oder mindestens Portsmouth viel schöner...

Der Wind bleibt auf NE und schwächt sich auch noch ab - nachdem wir in den ersten Stunden mehrfach reffen und später das Reff wieder ausschütten konnten. Durch die geringere Eigengeschwindigkeit wirkt sich der nach Westen setzende Strom natürlich stärker aus.

Testhalber kreuzen wir sogar mal auf der Stelle und starten für 2 Stunden den Achterspi - um ein bißchen mehr nach Norden zu kommen. Dann wieder segeln bis zur Höhe Nab-Tower - östlich der Isle of Wight. Dann schläft der Wind völlig ein und wir laufen das Fahrwasser bis zur Hasley Marine/ Portsouth hoch. Nach 91 sm machen wir um 1945 fest.


30.05.2008 
Lat 49° 38,737' N      Lon 001° 37,202' W
Die schöne Segelreise Bilbao - Kanalinseln - Cherbourg ist zu Ende
Es ist immer wieder schön in der Biskaya zu segeln - insbesondere bei moderaten Bedingungen. Da macht einem auch ein Nachttörn nichts aus. Und abends gibt es leckere spanische oder französische Küche... Im Somemr gefällt es dem Skipper aber noch besser - höhere Temperaturen sind das Geheimnis.

Und auch Nordfrankreich mit seinen stärkeren Gezeiten (-strömen), der kargen und auch lieblichen Küstenlandschaft hat seinen Reiz. Das Bild zeigt die Route von Camaret sur Mer über L Aberwrc h, Trebeurden und Guernsey nach Cherbourg - inklusive unserer Kreuzschläge.


29.05.2008 
Lat 49° 38,738' N      Lon 001° 37,203' W
Das Alderney Race lockt - Anthana segelt mit
ENtweder laufen wir westlich um Alderney herum oder durch das sogenannte Alderney Race - der Merrenge zwischen der Insel Alderney und Cap de la Hague. In dieser Meerenge treten erheblich Gezeitenströme auf - in der Springzeit bis zu 9,8 Knoten, bei Nippzeit nur 5,2, Knoten!

Gefährlich, wenn der Wind gegen den Strom steht. Brechende Kreuzseen sind in der Regel die Folge. Für heute sind mäßige WInde aus Ost von 2 bis 4 Beaufort angesagt - manche Dienste sprechen auch von NE. Aber Hauptsache, keine starken Winde... wir entscheiden uns für das Alderney Race. Gemäß der Reeds Empfehlung laufen wir 3 Stunden nach Hochwasser Dover aus - also um 1030 MESZ.

Kurs Big Russel, dem nach NE führenden Kanal zwischen Guernsey und Sark. Noch auf dem Weg nach Big Russel könmen wir die Segel setzen und uns in Big Russel hinein kreuzen. Die ersten beiden Stunden haben wir den Strom noch gegen uns - er versetzt uns teilweise bis zu 20 Grad...

Dann läßt der Wind leider nach und dreht genau so, dass er aus unserer Kursrichtung kommt. Wir streichen die Genua, starten den Achterspi und nördlich von Sark segeln wir wieder - bei Winden aus Ost mit 2-3 Beaufort. Zwischendurch mal ein paar Schauerböen bis 6 Beaufort, während derer wir reffen und anschließend wieder das Reff ausschütten...

Dann läßt der Wind leider wieder nach - nur noch 1 Beaufort, manchmal untere zwei... also wieder motoren... Normalerweise laufen wir um die 6 Knoten unter Motor, doch dank Alderney Race kommen wir auf über 11 Knoten - und das bei quasi Nippzeit!

Der Strom hält auch noch nördlich von Cap de Hague an - wenn auch nicht mit 5 Knoten, sondern nur noch mit 3. Wichtig ist nur, dass wir nicht zu dicht unter Land fahren, damit wir den Gegenstrom unter Land vermeiden.

Um 1820 - keine 8 Stunden nach dem Lösen der ersten Leine sind wir schon wieder fest diesmal in Cherbourg - nach 55 sm und teilweise kamen wir nur nit 2-3 Knoten aus eigener Kraft voran... so schön und einfach kann das Gezeitensegeln sein.

Abends kommt Fabienne und holt Stefan ab - gemeinsam gehen wir noch essen, sagen traurig Adieu. Noch eine Einladung in die Schweiz und weg sind sie...


28.05.2008 
Lat 49° 27,304' N      Lon 002° 31,758' W
frühe Ankunft auf Guernsey - St Peter Port
Nach Mitternacht erneute Sturmwarnung für die Kanalinseln von Jersey Coastguard...

Wir sind westlich der Südspitze von Guernsey und wollen nicht aufgeben. Die letzten beiden Stunden motoren wir im (Wellen-) Schutz der Kanalinsel. Es regnet und regnet - doch der Wind ist zum Glück nicht ganz so stürmisch wie angesagt. DIe Ansteuerung St Peter Port erweist sich nicht als Problem. Aber einen Liegeplatz zu finden... Nach mehreren Runden machen wir am Local Layby Ponton fest... es regnet immer noch, wir sind nass und wollen in die Koje... es ist 0300!

Am Morgen immer noch Regen... und Sturm - doch als der Skipper mittags von der Dusche zurück kommt, klart es endlich auf und wir genießen St Peter Port bzw. den Rundgang durch St Peter Port im Sonnenschein, der sogar kräftig genug ist, uns wieder durch zu wärmen. Dbaei sei es deutlich kälter, als sonst zu dieser Jahreszeit... Dieser Spruch komtm mir doch bekannt vor...


27.05.2008 
Lat 49° 23,802' N      Lon 002° 49,550' W
Schaffen wir es bis nach Guernsey oder nur nach Lezardieu
Um E 3-4, rückdrehend auf NE 4-5 - so heißt es und das sind keine guten Voraussetzungen, heute Guernsey zu erreichen. ALternativ kommt der kürzere Schlag nach Lezardieu in Betracht - mit insgesamt 10 sm Umweg in den Fluß hinauf und wieder raus. Aber für morgen ist eine Starkwind-/Sturmwarnung da... womöglich ein notwendiger Hafentag und dann keine Kanalinsel...

Wir laufen um 1100 wieder so aus, dass uns der Gezeitenstrom mit über 1 Knoten schiebt und phasenweise erreichen wir deutlich über 8 Knoten über Grund, trotz anfänlich schwachen Windes - aber dafür in der Sonne. Mittags dann für eine Stunde Nebel - Schallsignal alle 2 Minuten, aber wir können mit Vollzeug weiter segeln. Nach dem Nebel läßt der Wind für Stunden leider nach... Wir segeln weiter gen Norden...manchmal nur mit 3-4 Knoten, da der Wind so schwach ist... beseelt von der Hoffnung, Guernsey zu erreichen. Haben wir doch dank des Gezeitenstroms schon mehr Strecke geschaftt als kalkuliert. Frohen Mutes und verführt von der bisherigen Strecke entscheiden wir uns für Guernsey.

Am Abend frischt es wieder auf und wir kreuzen - teilweise müssen wir reffen, dann wieder die Reffs ausschütten... dabei regnet es mal wieder...

Kurz vor Mitternacht kommen Starkwind- und Sturmwarnungen von Jersey Coastguard. Unsere Rückfrage per Funk ergibt, dass wir es reichtzeitig schaffen sollten...


26.05.2008 
Lat 48° 46,230' N      Lon 003° 35,154' W
Segeln mit Bimini vor der nordwestfranzösischen Küste nach Trebeurden
Von allen Seiten hagelt es Sturmwarnungen für den gesamten englischen Kanal, Nordwestfrankreich und die Biskaya... da erinnern wir uns doch sehnsüchtig an das Segeln in der Sonne in der Biskaya. aber es nützt nichts...immerhin eine genaue Analyse der Wetterprognosen ergibt, dass es innerhalb eines Küstenstreifens nicht ganz so stark wehen soll. Also nur nicht zu weit raus wagen und wenn es ganr nicht geht, halt wieder zurück nach L Aberwrac h.

Das Bimini lassen wir offen, bei dem Regen und raumen Kurs - der Wind soll zunächst von NW kommen, dann zunächst auf SW rückdrehen und dann weiter auf S - können wir uns das wohl leisten und werden hoffentlich nicht ganz so nass. Segeln wir dann halt nur mit der Genua, anbetracht der Windstärken müsste das reichen.

Mit dem Gezeitenstrom laufen wir um 1100 aus, nehmen anbetracht der rauhen See lieber den Grand CHenal nach Westen statt einer Abkürzung nach Nordwest oder sogr nach Nord - doch die sind zu eng, obwohl wir nach Osten wollen. Gegen 1200 haben wir den Eingang vom Grand Chenal erreicht und setzen die Genua - bei WNW mit 5-6 segeln wir schnell nach Nordost. Als der WInd weiter rückdreht luven wir zunächst ein bißchen an und erst später - der WInd drehte weiter rück - halsen wir auf Ostkurs. Dies brachte uns auch 7er Böen ein, weil wir uns weiter von der Küste entfernten. Doch nachmittags beruhigt sich alles - der Wind nimmt auf 4-6 ab, es ist kein Dauerregen mehr.

Als der Wind weiter nachläßt setzen wir das Groß nicht, da wir eh schon zu schnell waren: wir wollen Trebeurden bei annähernd Hochwasser (frühestens 3 Stunden vor Hochwasser) erreichen - die Zufahrt zum Hafen geht über bei Niedrigwasser trocken fallende Gebiete. Und das ist noch das Sill in der Hafeneinfahrt...

Eine Stunde zu früh, aber immerhin eine halbe Stunde nach Erreichen der für uns notwendigen Mindestwassertiefe bergen wir das Segel vor der Hafenzufahrt, passieren um 2010 das Sill und sind um 2015 fest.

Kochen? Drüben an Land lockt ein französisches Lokal mit einem Drei-Gänge-Menü. Lecker!


25.05.2008 
Lat 48° 35,977' N      Lon 004° 33,637' W
Hafentag in L Aberwrac h
Sturm und viel Regen sind angesagt - nicht nur für heute, sondern auch für die kommenden Tage... Dies erfreut uns nicht wirklich und irgendwie sind wir auch von gestern kaputt: soviel feuchte, ja nasse, Luft.

Wir erkunden den Ort, kaufen Baguette und frühstücken lang... bleiben einfach im Hafen liegen, lassen die Seele baumeln, sind auf die nächsten Tage gespannt...

Dabei erfreut Sonne und eine angenehme Brise aus Süd unsere Gemüter... am Ende des Tages stellen wir fest, es wäre ein toller Segeltag für uns gewesen... Chance vertan, aber macht nix. Wir haben ja bereits 462 sm hinter uns! Cherbourg ist durch die Fischer blockiert, so erfahren wir abends von Fabienne, die uns weiter auf dem Laufenden halten will.

Das Bild zeigt übrigens, wie wir uns zu Beginn der Segelreise dank immer wieder drehender Winde in der Biskaya nach Norden kreuzen...


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